Die Vor- und Nachteile des Disavow-Tools

Kurz vor dem Ausrollen des Penguin 2.0 Updates im Oktober 2012 hat Google seine Webmastertools mit dem Disavow-Tool um ein interessantes SEO-Werkzeug ergänzt. Es bietet Seitenbetreibern die Möglichkeit, Links für ungültig zu erklären. Die Meinungen über den Nutzen des Tools gehen allerdings weit auseinander, denn das Disavow-Tool hat nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile, die wir im Folgenden darlegen möchten.

Disavow-Tool

Im Englischen bedeutet „to disavow something“, sich von etwas zu distanzieren. Diese Bedeutung trifft exakt den Kern des Disavow-Tools, denn damit können sich Webmaster von Links distanzieren, indem sie diese Google gegenüber für ungültig erklären. Eigentlich eine tolle Sache, denn das erspart scheinbar die recht aufwendige Maßnahme des Linkabbaus. Aber nur auf den ersten Blick ist das Tool zur Linkentwertung eine optimale Methode. Der größte Nachteil ist, dass die Maßnahme eine Art Einbahnstraße ist. Einmal entwertet ist der Link verloren und kann das Ranking nicht mehr beeinflussen. Ärgerlich ist das vor allem dann, wenn man aus Versehen oder aus Unkenntnis einen „trusted link“ gemeldet hat. Den kann der Webseitenbetreiber dann wohl für immer abschreiben.

Anfänglich geringe Resonanz

Wenige Wochen nach Veröffentlichung des Disavow-Tools befragte seo-united.de Webseitenbetreiber, inwieweit sie das Tool bereits nutzen beziehungsweise in naher Zukunft vorhaben. Das Ergebnis aus den Antworten der 206 Teilnehmer, die an der Umfrage teilnahmen, wirkt ernüchternd. 59 Prozent, also eine satte absolute Mehrheit der Befragten gab an, das Tool definitiv nicht nutzen zu wollen. Dem standen 41 Prozent positiv Gesinnte gegenüber. Lediglich 20 Prozent haben zu diesem Zeitpunkt das Tool bereits genutzt. Weitere 21 Prozent gaben an, es demnächst einzusetzen. Von denen, die das Tool bereits genutzt hatten, haben 51 Prozent damit weniger als zehn Backlinks entwertet. Das Überraschende ist, dass die nächstgrößere Gruppe mit 17 Prozent Intensivnutzer waren, die damit mehr als 150 URLs entwerteten.

Schlechte Links müssen dem Linkprofil nicht zwangsläufig schaden

Mithilfe des Tools lassen sich also Linkprofile optimieren, schlechte Links aussortieren, um den guten mehr Gewicht zu verschaffen. Hier stellt sich natürlich die Frage, wann ist ein Link gut und wann schlecht. Und genau hier gibt es viele Missverständnisse. Klar ist, dass ein guter Link von einer Seite mit hohem PageRank und im Idealfall von einer „trusted domain“ kommt. In letzten Fall besitzt diese Seite eine hohe Vertrauensstellung, die auch Google kennt. Was um Himmels willen sind aber schlechte Links? Sind es Links von zweifelhaften, nicht themenrelevanten Seiten, Links aus Linknetzwerken, bezahlte Links oder auch Links von Seiten, die vom Inhalt her gut sind, aber einfach nur schlecht ranken. Um es vorwegzunehmen: Die letztgenannte Kategorie zählt definitiv nicht zu den schlechten Links. Man sollte daher die zuvor aufgezählten Links am besten zur Kategorie der „bösen“ Links zählen, was aber absolut unüblich ist. Google nennt sie „unnatürliche“ Links. Nur diese Links sollte man mit dem Disavow-Tool für ungültig erklären. Kann man jedoch solche Links noch von denen unterscheiden, deren verlinkende Seiten einfach nur schlecht ranken, weil sie nicht mehr gepflegt werden und nicht keywordoptimiert sind? Genau da liegt das Problem für den Webmaster. Wer seine Seite vor einigen Jahren aufgebaut hat und das Linkbuilding womöglich noch schlecht dokumentiert hat, ist kaum noch in der Lage diese beiden Kategorien auseinanderzuhalten. Denn eines ist sicher: Zu einem natürlichen Linkprofil gehören selbstverständlich auch Backlinks, die von wenig frequentierten Seiten kommen und quasi in den Weiten des Web vor sich hin dämmern. Die Seiten sind vielleicht unpopulär und ranken schlecht in den Suchergebnissen von Google. Eine Seite, die ausschließlich Backlinks von 1a-Websites hat, fällt schon aus diesem Grund auf. Und da Google größten Wert auf ein natürliches Linkprofil legt, ist die Entwertung solcher Links nicht in jedem Fall vorteilhaft.

Google warnt vor überstürzter Nutzung

Genau auf diese Missverständnisse weist Google in seinem offiziellen Blogpost hin und empfiehlt das Tool nur dann zu nutzen, wenn zuvor eine manuelle Anti-Spam-Maßnahme mit entsprechender Benachrichtigung erfolgte, der Seitenbetreiber also über die Webmastertools schriftlich verwarnt wurde. Andernfalls rät der Suchmaschinenanbieter dazu, unnatürliche Links so weit als möglich erst einmal abzubauen und das Tool erst dann zu nutzen, wenn die vorherigen Maßnahmen nicht gefruchtet haben. Bei vielen SEOs hat dieser offizielle Blogpost von Google Irritationen ausgelöst. Erst recht verunsicherte die Supportseite, auf der sogar noch ein Warnhinweis in roter Schrift auftaucht, der genau beschreibt, wann eine Nutzung des Tools erfolgen sollte. Aufgrund der restriktiven und teilweise geheimnisvollen Informationspolitik des Suchanbieters mutmaßten einige Blogger, das Tool könnte sogar gefährlich sein.

Das Disavow-Tool sollte immer das letzte Mittel sein

Aus unserer Sicht ist diese Angst übertrieben. Wir denken vielmehr, dass das eine Schutzmaßnahme seitens Google darstellt, um einem möglichen Disavow-Ansturm vorzubeugen. Das erscheint logisch, denn viele Seiten ranken höchstwahrscheinlich deshalb schlecht in den Suchergebnissen, weil viele andere der über 200 Rankingfaktoren nicht greifen. Die paar schlechten Links fallen dabei gar nicht weiter ins Gewicht. Wer beispielsweise eine Seite mit Duplicate Content publiziert, wird allein schon durch Panda hinreichend abgestraft. Die Seite rankt schlecht, hat wenig Besucher und kann daher logischerweise auch nicht viele Backlinks bekommen – ob diese nun gut sind oder nicht.

Die richtige Vorgehensweise wäre in jedem Fall, erst einmal die Inhalte der Seite auf Vordermann zu bringen und leser- und suchmaschinenfreundlich zu optimieren. Erst wenn die Seite in dieser Hinsicht wirklich einwandfrei ist, lohnt es, den Linkaufbau zu forcieren. Den natürlichen Linkaufbau wohlgemerkt. Sollten bereits bezahlte Links die Website verlinken, ist es in jedem Fall sinnvoll parallel zum natürlichen Linkaufbau den Linkabbau von unnatürlichen Links zu betreiben. Google empfiehlt das Tool sozusagen als letzte Maßnahme. Das heißt, erst wenn andere Entwertungsmaßnahmen wie Linkabbau nicht greifen, sollte das Disavow-Tool zum Einsatz kommen.

Wer nun glaubt, sich den Umweg über den zweifellos aufwendigeren Linkabbau ersparen zu können, sollte bedenken, dass Google die Historie des Linkprofils kennt und sehr genau nachvollziehen kann, ob zuvor bereits Maßnahmen zum Linkabbau ergriffen wurden oder nicht. Über manuelle Abstrafungen hinaus empfiehlt Google das Tool auch jenen Webmastern, die von Penguin 2.0 betroffen sind. So äußerte sich jedenfalls Matt Cutts Ende Oktober 2012 in einem schriftlichen Interview, das searchengineland.com mit dem Chef des Google-Webspam-Teams führte.

Aus gutem Grund hält sich Google bedeckt

Straft Google eine Seite manuell ab, dauert es nach Behebung der Mängel eine gewisse Zeit, bis sich die Sichtbarkeit der Seite wieder verbessert. Wer diesen Prozess beschleunigen möchte, kann hierfür mit dem Reconsideration Request bei Google einen entsprechenden Antrag stellen. Google befürchtet offenbar, dass viele von Google-Penguin betroffene Seitenbetreiber das Disavow-Tool nutzen und anschließend massenhaft Anträge an Google richten, um die Website neu bewerten zu lassen. Dies ist eine mögliche Erklärung für die spärlichen Informationen, die Google zum Disavow-Tool herausgibt. Eine andere ebenso plausible Erklärung ist – wie bereits erwähnt – die Tatsache, dass ein unvorsichtiger Einsatz des Tools nicht nur Links aus vertrauenswürdigen Quellen versehentlich entwerten, sondern auch Links zu Seiten mit einem niedrigen PageRank erfassen kann. In der Konsequenz blieben dann nur erstklassige Backlinks übrig. Die Gefahr, dass Seitenbetreiber das Tool wie einen Rasenmäher einsetzen, um ein bisschen Unkraut zu jäten, ist relativ hoch. Im Ergebnis käme genau das heraus, was Google absolut nicht will und seine Suchmaschinenpolitik durchkreuzen würde: unnatürliche Linkprofile.

Vorteile vs. Nachteile des Disavow-Tools

Das Disavow-Tool bietet zahlreiche Vorteile, hat aber auch Nachteile. Zu den größten Vorteilen zählt der geringe Aufwand, der betrieben werden muss, um unerwünschte Backlinks zu entwerten. Wer eine total verbrannte Domain besitzt, kann sogar alle mit der Seite verknüpften Links auf einen Schlag entwerten lassen. Der Nachteil ist, dass unter Umständen zu viele Links entwertet werden und das Linkprofil dadurch beschädigen. Das hätte wiederum negative Auswirkungen auf die zukünftige Bewertung und damit auf die Sichtbarkeit. Insofern ist das Tool nur dann sinnvoll, wenn es vom Seitenbetreiber maß- und planvoll eingesetzt wird.

Grundsätzlich ist ein Einsatz angesagt, wenn zuvor eine manuelle Abstrafung durch Google erfolgt ist. Nach Möglichkeit sollte der Seitenbetreiber versuchen, seine Links auf klassischem Wege abzubauen. Das heißt, die eingehenden Links mithilfe der Webmastertools zu ermitteln und anschließend jeden Link sorgfältig auf seine Schädlichkeit hin zu analysieren. Diese selektive Vorgehensweise hat den Vorteil, dass nur solche Backlinks in den „Schredder“ gelangen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Ranking der Seite schaden.

Lässt sich ein als schädlich eingestufter Link nicht abbauen, dann ist er ein Fall für das Disavow-Tool. So sollte der Seitenbetreiber mit allen als schädlich identifizierten Backlinks verfahren. Bevor das Tool zum Einsatz kommt, sollten aber zunächst die Auswirkungen des Linkabbaus abgewartet werden. Falls sich die Sichtbarkeit nach ca. zwei bis drei Wochen überhaupt nicht verbessert hat, kann der Seitenbetreiber zum Disavow-Tool greifen, um die nichtabbaubaren Links entwerten zu lassen. Seitenbetreiber, deren Seite von Penguin betroffen ist, sollte ebenfalls erst einen Linkabbau durchführen, bevor er das Disavow-Tool nutzt.

Fazit:
Das Disavow-Tool ist eine praktische Hilfe für diejenigen Webmaster, deren Website von Google manuell abgestraft wurde oder die von Penguin 2.0 beziehungsweise 3.0 betroffen sind, um schädliche Backlinks, die sich anderweitig nicht abbauen lassen, zu entwerten. Es sollte immer das letzte Mittel sein, wenn alle zuvor ergriffenen Maßnahmen nicht gefruchtet haben. Das Google-Werkzeug sollte daher zielgerichtet und vor allem nicht überstürzt eingesetzt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die mühsame Arbeit des Linkaufbaus vieler Jahre zerstört wird. Das Disavow-Tool ist somit weder eine Prophylaxe zur Verbesserung der Sichtbarkeit noch kann es Maßnahmen wie den Linkabbau ersetzen.

Weitereführende Links zum Thema:
Google Disavow-Link-Tool – Fluch oder Segen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentieren

Newsletter abonnieren