Interview mit „seokanzler“ Nicolas Sacotte

der neue seokanzler

Nicolas Sacotte ist der erste deutsche „Seokanzler“

An der Stelle möchte ich Euch ein Interview mit Nicolas Sacotte, Gründer von Seedking, präsentieren, der mich auf den SEO-DAYS an beiden Tagen (ja, da gab es ja dieses Jahr noch den Experte-Day) mit seinen Vorträgen beeindruckt hat. Nebenbei ist er auch der Gewinner des SEO-Contests vom SEO-DAY und darf sich jetzt ganz offiziell „seokanzler“ nennen.

Meine-Reichweite.de: Hi Nico, danke, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. Mal abgesehen davon, dass Du der aktuell seokanzler bist, würden unsere Leser sicherlich gerne mehr über Dich erfahren. Gib uns doch mal ein kurzes Intro zu Deiner Person. Interessant ist sicherlich vor allem, seit wann Du Dich mit dem Thema SEO auseinandersetzt.

Nicolas Sacotte: Hi Mario, das mache ich doch gerne!

Für alle, die mich noch nicht kennen: Mein Name ist Nicolas Sacotte, ich bin aktuell noch 39 Jahre alt, glücklich verheiratet und habe 2 bezaubernde Kinder. Ich bin nach dem BWL-Studium eigentlich fast direkt in die Online-Selbstständigkeit gegangen, das war 2001. Ich habe mich aber schon während dem Studium sehr intensiv mit dem Thema Webseitenbau und Onlinemarketing beschäftigt, bzw. bin da so mehr oder weniger „reingerutscht worden“.

Damals habe ich im Rahmen des ersten Praxissemesters bei einem Automobilzulieferer gearbeitet. In der Abteilung Vertrieb&Marketing wurde ich direkt mit „Herr Sacotte, Sie kennen sich doch laut Lebenslauf mit Computern aus! Bauen Sie uns doch bitte mal eine Webseite. Reichen die 8 Wochen dazu aus?“ begrüßt. Natürlich sagt man da nicht nein, und so habe ich 1998 meine erste Webseite gebaut. ….mit dem Netscape Composer! Das war im Prinzip nur eine reine Imageseite mit „über uns“, „unsere Produkte“, „Kontakt“ und „Impressum“. Die kam aber gut an und so wurde unter anderem mein damaliger Chef des Öfteren beim Golf spielen gefragt, wo er die denn „eingekauft“ hat. Er war so nett meine Kontaktdaten auch nach dem Praxissemester weiter zu geben und so habe ich während des Studiums zahlreiche Internetauftritte realisiert.

Über Microsoft Frontpage bin ich dann irgendwann bei Dreamweaver gelandet und habe zusammen mit einem Freund, der Informatikstudent war, dann auch relativ schnell komplexere datenbankbasierte Konzepte umgesetzt. Witziger Weise war das damals die Zeit, wo sich noch keiner der Kunden wirklich Gedanken über die Vermarktung des Auftritts gemacht hat. Dabei sein war alles!

Den meisten war aber relativ schnell klar, dass die Webseite ja auch Besucher generieren und vor allem Neukunden ansprechen sollte. So bin ich anschließend in das Thema Onlinemarketing reingerutscht und habe Ende 1998 angefangen, Kundenprojekte erfolgreich auf altavista, fireball & Co. zu „platzieren“. Das war so einfach, dass ich teilweise mit einem Kundenprojekt für ein Keyword die TOP20 komplett dominiert habe! Links waren damals schon auch Thema, aber mit Keywordstuffing (in den Metas und im Text) konnte man noch relativ einfach Berge versetzen. DC- Filter gab es damals faktisch nicht. Wenn eine Masche funktioniert hat, konnte man sie beliebig oft replizieren und skalieren. Irgendwann kam dann auch google als ernst zu nehmende Suchmaschine auf den Schirm. Seit dem hat sich sehr viel verändert und die Dynamik, die mittlerweile vorherrscht, lässt alte Searchmarketer wie mich mit einem Lächeln aber auch mit Wehmut an die alten Zeiten zurückdenken.

Meine-Reichweite.de: Die letzten beiden Jahre waren geprägt von vielen großen Google-Updates. Inwieweit hast Du Deine SEO-Arbeit in den letzten zwei Jahren verändert?

Nicolas Sacotte: Ein großer Teil der (leitenden) SEO-Arbeit in Agenturen ist mittlerweile von Change-Management geprägt. Agenturen und SEOs, die nicht schnell und flexibel auf neue Marktsituationen reagieren können, haben es immer schwerer und bekommen zunehmend Probleme im Markt.

Ich habe in den letzten 2 Jahren gelernt noch aufmerksamer und noch anpassungsfähiger zu werden. SEO als Einzeldisziplin ist in meine Augen mittlerweile obsolet geworden. Die professionelle Arbeit als SEO ist viel umfangreicher geworden. Ohne Verständnis und viel Erfahrung in den anderen Onlinemarketing Disziplinen kann man kein erfolgreiches SEO mehr machen. Der erfolgreiche SEO von heute muss in der Lage sein, den gesamten Onlinemarketing-Mix geschickt und situativ zu verzahnen, um positive SEO-Effekte im Sinne von besseren Rankings zu erzielen. Ich lese, lerne, hinterfrage und teste noch viel mehr als früher, auch weil einfach viele Dinge, die über SEO im Netz kursieren schlichtweg nicht stimmen bzw. nicht auf alle Geschäftsmodelle und –bereiche 1:1 übertragbar sind.

Um Deine Frage aber nochmal aufzugreifen: in den letzten 2 Jahren ist klar geworden, dass SEO für Kundenprojekte nicht wirklich skalierbar ist (außer über Manpower, und die ist in Deutschland im Bereich SEO schwer zu finden und teuer). Der Aufwand/Kunde ist überdurchschnittlich höher geworden. Preisgefüge haben sich dramatisch verändert, Margen sind unattraktiver geworden. Und zuletzt haben sich auch die Methoden grundlegend geändert bzw. die Risikopotentiale sind verschoben worden.

Linktausch, Linkkauf, Linkmiete etc. sind zu einem Sicherheitsrisiko geworden. Im Prinzip habe ich meine Arbeit in Richtung Traffic-Optimierung verschoben. Organischer google-Traffic ist toll, aber nur ein kleiner Teil, der falls er wegfallen sollte, durch andere Kanäle problemlos kompensiert werden kann. Vom Linkverkauf bin ich komplett weg und Linkkauf mache ich nur sehr selten, und auch nur dann, wenn die Qualität stimmt.

Meine-Reichweite.de: Was denkst Du, inwieweit sich die Arbeit eines SEO’s in den nächsten Jahren weiter verändern wird?

Nicolas Sacotte: Der Begriff „SEO“ als Berufsbezeichnung ist mir für die Antwort auf diese Frage zu undifferenziert. Es gibt da draussen „SEOs“, die echt perfekte OnSite bzw. OnPage-Konzepte bauen und umsetzen, aber völlig unfähig sind, das Thema Linkbuilding zu beackern. Und umgekehrt! Und es gibt Heerscharen von Praktikanten und Azubis, die sich selber mittlerweile als SEO sehen, weil sie in ihrer Arbeit Teilbereiche der Suchmaschinenoptimierung abdecken. Letztendlich wird sich für viele die Arbeit stark verändern, für andere nicht! SEO-Allrounder bzw. -Entscheider führen schon seit langem die Arbeiten nicht mehr selber aus, sondern koordinieren Teams in der Durchführung sorgfältig ausgearbeiteter Konzepte und Strategien und führen Erfolgskontrollen und das Monitoring aus, um die Learnings in neuen Kampagnen wieder umzusetzen. Für sie wird sich nicht viel ändern, nur die Konzepte und Strategien vollziehen hier den Evolutionsschritt.

Das Thema Linkaufbau wird sich weiterhin stark „bewegen“, und befindet sich eher auf dem absteigenden Ast. Der Bereich Trust- und Trafficbuilding wird weiter stark wachsen. Ein Link wird nicht mehr des Links wegen aufgebaut, der Rankings verbessern soll, sondern weil er Traffic bringt (der konvertiert). Der Traffic und die Conversion (als positives Signal für google) geben den Rankingboost und nicht mehr alt bekannte Faktoren wie Linkpop, DomPop, IPpop oder Linkjuice!

Fakt ist, dass genau dieser Zustand bereits eingetreten ist, die Industrie (und auch die Kunden) aber zu starr agiert und diese Tatsachen auch aus finanzieller bzw. budgetärer Hinsicht ignoriert.

Meine-Reichweite.de: Stellen wir uns vor, ein Online-Marketing-Student würde Dich heute Fragen, worauf er sich bei seiner Jobsuche spezialisieren sollte. Was würdest Du ihm antworten?

Nicolas Sacotte: Auf Onlinemarketing! Grundsätzlich und für diesen Bereich interdisziplinär! Ich glaube, ich würde die Gegenfrage stellen, welche Branche ihn interessiert. Wenn er Lust auf die Finanzbranche hat, sollte er vermutlich nicht den Kanal Social-Media fokussieren, weil es dort ungleich schwieriger ist, erfolgreich zu sein und Spaß dabei zu haben. Es ist wichtig in allen Marketingbereichen Erfahrungen zu sammeln, nicht nur Online. Klassische PR-Arbeit ist meiner Meinung nach z.B. eine der besten Vorbereitungen auf das Onlinemarketing.

Meine-Reichweite.de: Wir haben einen tollen Vortrag von Dir dieses Jahr auf der SEO-Day zum Fall eines speziellen Linkbaits mit einer Infografik gehört. Weißt du schon, mit welchem Thema Du uns nächstes Jahr überraschen wirst?

Nicolas Sacotte: Vielen Dank für die Lorbeeren! 😉

Ich bin ein Fan von Case-Studies, trockenen theoretischen Online-Kram können die Besucher auch in Büchern nachlesen. Ich denke, ich werde 2014 vielleicht wieder eine Case-Study mitbringen, aber möglicherweise keine Erfolgsgeschichte, sondern eher genau das Gegenteil. Einen absoluten Fail, um aufzuzeigen, dass Onlinemarketing eben auch Trial&Error sein kann und soll. Gerade dann, wenn man neue kreative Wege beschreiten möchte, sind mögliche negative (oder nicht vorhandene) Reaktionen nicht immer kalkulierbar.

Wichtig dabei ist, die Learnings zu nutzen, um das nächste Level zu erreichen. Und diese Erfahrungen können manchmal so viel mehr wert sein, als all der Traffic, den eine erfolgreiche Kampagne vielleicht erzielt hätte. Damit genau das in den Köpfen der Verantwortlichen ankommt, werde ich möglicherweise so eine Fail-Study machen. Mal schauen…. 😉

Meine-Reichweite.de: Thema Linkbait: Was war der geilste Linkbait, der Dir bis jetzt untergekommen ist?

Nicolas Sacotte: Au, da gab es mehrere. Ich pauschalisiere hier ungerne, denn je nach Thema und Branche lassen sich die Erfolge in Zahlen nicht wirklich gleichsetzen oder vergleichbar machen. Also die Sache mit der googleglass-Infografik von Martin Mißfeldt war schon ziemlich gut. Vor allem weil sie eher unverhofft und zeitversetzt kam. Und weil man genau deshalb so viele Learnings daraus ziehen konnte. Die geplante Aktion hatte zunächst gar nicht gefruchtet, erst Wochen nach der Publikation der Infografik hat ein sehr großer Influencer/Multiplikator eher zufällig Martins Werk aufgenommen und den Bait ins Rollen gebracht. Sehr gelungen fand ich auch die Aktion von Dominik Schwarz vs. Telekom. Er hat es geschafft ein Thema anzusprechen, was viele Menschen schon in ähnlicher Form erlebt haben. Mit ein bisschen geschickter Verteilung über die sozialen Kanäle und einem Tropfen Storytelling hat er durch Updates den Buzz über einen sehr langen Zeitraum aufrecht erhalten. Und an diesem Beispiel sieht man auch ganz gut, wie sich SocialMedia-Präsenz positiv auf das Thema SEO insbesondere Linkbuilding auswirken kann.

Was primär als Likebait begonnen hat, erzielt mittel- und langfristig ein schönes Linkwachstum! Well done! Und das war ja nur 2013….. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass erfolgreichen Linkbaits in der Regel eine fundierte Zielgruppenkenntnis zu Grunde liegt, auf Basis derer dann wirklich hochklassige Inhalte entwickelt wurden. Im Bereich SEO hat MOZ vorgemacht, wie es geht und wie man mit hilfreichen Inhalten nicht nur Likes und Shares genriert, sondern auch Link und im Endeffekt Downloads.

Meine-Reichweite.de: So zum Ende wollen wir unseren Lesern, die so lange durchgehalten haben, einen echten Mehrwert liefern. Gib uns doch mal einen Insidertipp, wo unsere Leser einen guten, aber kostenlosen Backlink für Ihr Projekt bekommen können!

Nicolas Sacotte: Haha, das Problem dabei ist: der Mehrwert ist nur von kurzer Dauer! Wenn ich Deinen Lesern hier jetzt einen guten Linktipp gebe, werden Deine Leser diesen vll. umsetzen. Und genau in diesem Augenblick ist der Linktipp schon nicht mehr gut, kann sogar ins negative kippen. Außerdem macht es wenig Sinn, ohne Branchenkenntnis Linktipps zu geben! 😉 Ein möglicher starker Backlink bringt demjenigen Leser nur etwas, wenn das Thema auch passt.

Ich gebe aber gerne einen ganz pauschalen Tipp: versucht in Eurem Themenumfeld Informationslücken zu finden, die gefüllt werden können. Die User, die durch Eure neue Information Hilfe erfahren, werden es Euch in einigen Fällen mit einem kostenlosen Backlink danken!

Meine-Reichweite.de: Danke Nico für das mega-lange, ausführliche und inhaltlich wertvolle Interview. Gerade Einsteiger in die Materie sollten ein paar nette Anregungen bekommen haben. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und viel Spaß bei Deinen Projekten.

Vielleicht sehen wir uns ja demnächst mal wieder auf einer SEO-Veranstaltung.

 

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