Können Gastartikel auf Blogs denn SEO-Sünde sein?

Was hat SEO mit den Finanzmärkten zu tun? Eigentlich nicht viel und doch gibt es gewisse Parallelen. Wenn beispielsweise ein bekannter Investor wie Warren Buffett in einem Interview eine Einschätzung zur Qualität von irgendwelchen Investments abgibt, hängen gefühlte zehntausend Anleger an seinen Lippen. Nicht viel anders ist das in SEO-Welt, wenn Matt Cutts von Googles Webspam-Team etwas über die Qualität von Content und Links zum Besten gibt. In schöner Regelmäßigkeit versetzt er die gesamte SEO-Welt in helle Aufregung. So warnte der Webspam-Teamchef vor wenigen Wochen auf seinem Blog davor, künftig beim Linkaufbau auf Gastartikel zu setzen. Das hat große Verunsicherung ausgelöst, denn Blogs sind immerhin auch ein wichtiger Baustein beim Linkaufbau.

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SEO-Unsitten in den USA

Matt Cutts hat mal wieder zugeschlagen und mit seinen Statements vom 20. Januar 2014 zu Gastartikeln auf Blogs viel Wirbel in der SEO-Szene ausgelöst. Als SEO reibt man sich natürlich verwundert die Augen und fragt sich, wo die hochwertigen Backlinks denn herkommen sollen, wenn nicht „auch“ von guten, themenrelevanten Gastbeiträgen auf fremden Blogs. Die Betonung liegt auf „auch“, denn „Fremdbloggen“ ist nur eine von vielen SEO-Maßnahmen zum Linkbuilding und niemals die einzige Strategie. Man sollte bei der Interpretation von Cutts Warnung zur Kenntnis nehmen, dass die Situation in Deutschland eine andere ist, als beispielsweise in den USA, wo Gastbeiträge inzwischen massenhaft aus SEO-Gründen gekauft werden, um das Ranking der eigenen Seite zu pushen. Betreiber von Blogs erhalten dort immer häufiger Spam-E-Mails mit der Bitte um Veröffentlichung eines Gastartikels. Cutts postet daher in seinem Blogbeitrag ein Beispiel einer jüngst erhaltenen Spam-E-Mail, in der der Absender vorgibt, ein Content-Marketer zu sein und Cutts anfragt, ob er auf dessen Blog einen Gastbeitrag für einen Kunden veröffentlichen darf.

Spam-Artikel outen sich selbst

Klar, dass Cutts als Betreiber seines gut rankenden Privatblogs davon genervt ist. Zumal die Qualität der auf diese Weise promoteten Gastbeiträge meistens miserabel ist und selbst gutgläubigsten Lesern direkt auffällt, dass die Artikel nur aus einem einzigen Grund geschrieben wurden. Mit anderen Worten: Selbst ein Laie ist in der Lage, einen Gastartikel mit Spamcharakter zu identifizieren. Da kann man natürlich nicht mehr von Qualität sprechen und mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie kaum einer liest. Der Mehrwert für den Leser ist also gleich null. Auch in Deutschland hat sich die Unsitte über Spam-E-Mails Blogbetreiber um Veröffentlichung von Gastartikeln zu bitten inzwischen breitgemacht, wie das Beispiel der Netzstrategen zeigt. Unseren Recherchen ergaben jedoch, dass dies bei uns noch eher die Ausnahme ist – ganz im Gegensatz zu den USA.

Nicht alle Gastartikel sind „spammy“

Das und nur das hat Cutts gemeint, wenn er vor Gastbeiträgen als SEO-Maßnahme warnt. Inzwischen hat er ja kurz nach der Veröffentlichung seines Blogbeitrags seine Warnung in eigenen Kommentaren etwas entschärft und durchblicken lassen, wo ihm beziehungsweise Google der Schuh drückt. Es geht ihm wie gesagt ausschließlich um Blackhat-SEO. Natürlich wissen auch wir, dass das Netz voll ist mit Blogs, die Gastartikel gegen Geld veröffentlichen und wenig auf die Qualität der Beträge achten. Die Aussage, dass Gastartikel generell „spammy“ seien, ist natürlich Unsinn. Wir wissen aber jetzt, dass Matt Cutts dem Linkaufbau aus genannten Gründen ablehnend gegenübersteht. Aber rechtfertigt das, erst einmal alle Gastautoren unter Generalverdacht zu stellen? Unserer Meinung nach wird hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Auf die Inhalte kommt es an

Vielmehr gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn nur weil einige Blackhats Gastbeiträge en masse für Linkbuilding-Zwecke missbrauchen, sind Gastartikel per se nichts Schlechtes. Hier hängt alles von der Qualität des Artikels und des Blogs ab und natürlich von der redaktionellen Sorgfalt des Blogbetreibers. Denn so, wie er beispielsweise Spam-Kommentare entfernt beziehungsweise gar nicht erst zulässt, ist er gut beraten, auch die Inhalte seines Blogs „sauber“ zu halten und minderwertige Artikel erst gar nicht zu veröffentlichen. Keywordansammlungen mit etwas Text drum herum fallen ebenso darunter wie plakative Werbetexte. Die seriösen Blogbetreiber haben es also in der Hand, diesen SEO-Unsitten den Garaus zu machen.

Thematische Relevanz – Was denn sonst?

Gastbeiträge sollten auf jeden Fall thematisch relevant sein, also zum Themenspektrum des Blogs passen. Das liegt auch im Interesse des Gastautors, der – sofern ihm ein Link verwehrt wird – mit seinem Gastbeitrag etwas für seine Reputation tun kann. Wer eine Spieleseite betreibt und über neue Trends aus der Gaming-Szene berichten will, hat beispielsweise auf einem SEO-Blog eigentlich nichts verloren – das gilt natürlich auch umgekehrt. Bei einem News-Blog mit gemischten Themen ist gleichfalls auf die Themenschwerpunkte zu achten. Auf Blogs, die hauptsächlich Klatsch und Tratsch über Promis bringen, wirken Anlageempfehlungen genauso deplatziert wie Tipps zum Virenschutz auf Smartphones. Dann doch lieber einen Blog auswählen, der sich mit Finanz- und Wirtschaftsthemen beziehungsweise mit Mobilgeräten befasst.

Ein Ratgeberstil kommt immer gut an

Auch wenn der Beitrag keine Keywordansammlung und keinen Link enthält, also nur zu Reputationszwecken geschrieben wird, sind einige Spielregeln zu beachten. Wenn der Autor die Reichweite für seine Seite erhöhen will, sollte er auf jeden Fall die Kunst beherrschen, Werbeaussagen möglichst sachlich und neutral zu verpacken. Blogartikel sind in erster Linie dazu da, dem Leser einen Mehrwert zu bieten. Ein Ratgeberstil kommt beispielsweise immer gut an. Ein Beitrag wie „Was ist bei einer Firmengründung zu beachten?“ sollte dabei wirklich den Nerv des Lesers treffen und die gängigen Standardfragen zu der Thematik schlüssig beantworten. Natürlich kann auch das eigene Finanzierungsprodukt oder Crowd-Funding-Projekt genannt werden. Es sollte aber nur am Rande Erwähnung finden und nicht im Mittelpunkt stehen.

Gastartikel sind etwas ganz Normales

Es käme einer Verarmung der Kommunikationskultur im Web gleich, wenn es keine Gastartikel mehr gäbe, denn diese gehören einfach genauso dazu, wie Kommentare auf Blogs und anderen Online-Medien. Der klassische Journalismus kennt Gastautoren, Gastschreiber, Gastkommentatoren und dergleichen. Auch in den Online-Ausgaben von Spiegel, Focus, Handelsblatt & Co. schreiben viele Gastautoren und tragen mit ihren Beiträgen, die nicht immer auf Redaktionslinie liegen, zur Meinungsvielfalt bei. Selbstverständlich geben sie dabei zu erkennen, für welche Projekte sie ansonsten arbeiten, welche Bücher sie schreiben und vermarkten sich somit auch in eigener Sache. Auf die Blogosphäre übertragen: Ein Link in einem hochwertigen Fachbeitrag, der zu einem Anbieter führt und das Thema vertieft, hat nichts mit Spam zu tun. Er hilft dem Leser vielmehr zu einem besseren Verständnis der Thematik. Das scheint auch Matt Cutts eingesehen zu haben, denn sonst hätte er Boing Boing nicht als positives Beispiel für einen Blog erwähnt, auf dem besonders viele Autoren schreiben. Und die verlinken in ihren Beiträgen selbstverständlich auch auf Anbieterseiten der Produkte und Dienstleistungen, über die sie berichten.

Nichts geht über natürlichen Linkaufbau

So normal wie ein Gastartikel auf einem Blog ist für uns auch der natürliche Linkaufbau. Denn Gastartikel auf Blogs, die dem Leser nützliche Informationen bieten, gehören einfach dazu. Wenn der Betreiber Gegenleistungen wie Geld oder Gegenlinks verlangt, nehmen wir grundsätzlich Abstand, um das Ranking einer von uns betreuten Seite nicht zu gefährden. Linkpopularität lässt sich nicht mit Hau-Ruck-Aktionen erzeugen. Das weiß inzwischen jeder SEO. Beim Linkaufbau gilt ohnehin die Devise „less is more“. Ein gut platzierter Link in einem Gastartikel auf einem populären Blog ist mehr Wert als zehn Backlinks in zweifelhafter Gesellschaft. Ganz abgesehen davon schaden solche Links dem Ranking mehr als sie nützen. Aber auch ohne Linkmöglichkeit sind Gastbeträge auf anderen Blogs hilfreich. Sei es, um die Reputation zu verbessern oder die Markenbekanntheit zu erhöhen. Als SEOs sollten wir aber auch nicht vergessen, dass ein überdurchschnittlich guter Artikel auch enormes virales Potenzial entfalten kann. Ist das der Fall, erntet zwar der Betreiber des publizierenden Blogs zunächst zahlreiche Backlinks, doch auch der Gastartikel profitiert. Die Mundpropaganda-Kultur in den Social Media sorgt dann automatisch für höhere Besucherzahlen auf den Seiten des beschriebenen Produktanbieters. Und das führt mit der Zeit auch zu mehr Backlinks. Bekanntlich führen viele Wege führen nach Rom.

Fazit

Matt Cutts Warnung ist nicht wirklich neu, denn er hatte sich in der Vergangenheit schon mehrfach gegen Gastbeiträge auf Blogs zum Zwecke des Linkaufbaus ausgesprochen. Seit seinem Blogbeitrag vom 20. Januar 2014 sind wir allerdings schlauer und wissen, worum es ihm letztendlich geht: um inhaltlichen Müll. Wir interpretieren diesen Reminder als letzten Warnschuss gegen Gastartikel-Spam und gehen davon aus, dass Google in naher Zukunft noch stärker als bisher gegen spamartige Gastartikel vorgeht und die darin verlinkten Seiten abstraft. Wie Google allerdings die Qualität von Blogbeiträgen herausfinden und „high-quality guest-blogging“ von „low-quality guest-blogging“ maschinell unterscheiden will, bleibt natürlich wie immer vorerst das Geheimnis des Suchmaschinenanbieters. Es steht außer Frage, dass die Linkkraft eines minderwertigen Artikels nicht sehr hoch sein kann. Insofern ist die verlinkte Seite durch den schlechten Inhalt bereits diskreditiert. Wer wie wir zum Zwecke des Linkaufbaus gelegentlich hochwertige Gastartikel schreibt und einen Link darin unterbringt, braucht sich eigentlich keine Sorgen zu machen. Wir jedenfalls harren der Dinge, die da kommen, und lehnen uns entspannt zurück, da wir prinzipiell der Meinung sind, dass ein hochwertiger Gastartikel auf einem Blog per se keine SEO-Sünde sein kann.

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