Welchen Einfluss haben Social Signals auf das eigene Ranking?

An Facebook & Co. scheint heute kein Unternehmen mehr vorbeizukommen. Längst haben sich die sozialen Netzwerke zu eigenständigen Netzen im Netz entwickelt und sind sowohl für Unternehmen als auch für Parteien und Personen des öffentlichen Lebens eine Art Schaltzentrale für den Dialog mit Kunden, Wählern und Fans geworden. Immer mehr Seitenbetreiber verlinken daher ihre Website mit ihrer Präsenz auf Facebook, Twitter und Google Plus. Damit dokumentieren sie ihre Dialogbereitschaft, vermarkten sich und werben mit Shares, Likes, Tweets und PlusOnes auf ihrer Website. Aufgrund der großen Anzahl aktiver Nutzer erscheinen diese Signale als eine Art positives Votum für den Betreiber. Je mehr Likes eine Website erhält, desto beliebter scheint sie zu sein.

Welche Qualität haben Likes eigentlich?

Was zu denken geben sollte: Nutzer vergeben diese Voten allerdings sehr spontan und ohne weitergehende Differenzierung. Wer „Gefällt mir“ klickt sagt nicht, was ihm konkret gefällt. Ist es die Gestaltung oder der Inhalt des Webauftritts, ist es das Unternehmen oder seine Produkte und Dienstleistungen? Aus Sicht der Suchmaschinen sind diese Social-Faktoren zunächst einmal neutrale Gestaltungselemente, die wenig über die Qualität oder Popularität eines Webauftritts aussagen. Das Teilen der Seite mit anderen Nutzern erhöht indes die Anzahl der Backlinks. Dies dürfte einer der Gründe sein, weshalb die Social Signals sehr gut mit besseren Rankings korrelieren. Die im Juni 2013 veröffentlichten Ranking-Faktoren für 2013 von seachmetrics und netmark suggerieren, dass Social-Faktoren immer wichtiger fürs Ranking werden. Doch ist das wirklich so?

Googles Webspam-Chef warnt vor einer Überbewertung

Die offiziellen Stellungnahmen von Google weisen erst einmal nicht in diese Richtung. Matt Cutts, der Chef des Webspam-Teams von Google erklärt nämlich, dass die Social Signals völlig überbewertet seien und hält das Ganze für eine temporäre Erscheinung. Es dürfte klar sein, dass Nutzer Seiten mit Top Rankings leichter finden, entsprechend häufiger klicken und teilen. Sich wechselseitig verstärkende Effekte scheinen hier zwischen der Ranking-Position und den Social Signals aufzutreten. Interessant ist, dass auch Daniel Furch vom führenden SEO-Tool-Anbieter searchmetrics, der jüngst die Ranking-Faktoren für 2013 veröffentlichte, ebenfalls unterstrich, dass es sich bei den errechneten Faktoren um Korrelationen, jedoch keineswegs um kausale Zusammenhänge handelt. Auch die Statements von anderen Köpfen aus der SEO-Szene deuten in diese Richtung. Die entscheidende Frage ist jedoch: Handelt es sich bei den Social Signals nun um einen Rankingfaktor der Zukunft oder haben wir es hier, wie Matt Cutts betonte, mit einem temporären Phänomen zu tun.

Versucht Google Mitgliederzahlen zu pushen?

Bei searchmetrics stehen die Social Signals an vorderster Stelle bei den Rankingfaktoren für 2013. Allen voran rangieren Facebook-Signale dicht gefolgt von Google PlusOne und mit einigem Abstand Twitter und Pinterest. Überraschend ist hier wie auch in der Ranking-Studie von Netmark: die relativ hohe Bewertung von Google PlusOne, dem sozialen Netzwerk des Suchmaschinengiganten, dessen Mitgliederzahlen mit rund 500 Millionen aber gerade einmal die Hälfte der Mitglieder von Facebook ausmachen. Es verwundert nicht, dass hier einige Gerüchte ins Kraut schießen, die einen Zusammenhang zwischen der überdurchschnittlichen Gewichtung von Google PlusOne und dem Bestreben sehen, dass Google mit dieser Strategie die Mitgliederzahlen seines Netzwerks zu pushen versucht. Beweisen lässt sich das nicht. Zweifellos ist Google PlusOne das derzeit am schnellsten wachsende Netzwerk weltweit, wenngleich die Nutzeraktivität noch weit hinter der von Facebook herhinkt. Fakt ist, dass viele Seitenbetreiber hinter Social Signals einen wichtigen Ranking-Faktor vermuten und besonders das Social Network von Google in Verdacht steht, ein wichtiger Einflussfaktor für gute Rankings zu sein. Das wiederum scheint einer der Gründe für das rasante Wachstum bei den Mitgliederzahlen von Google PlusOne zu sein.

Kausaler Zusammenhang oder Korrelation?

In allen Studien über die aktuellen Ranking-Faktoren rangieren die Social Signals weit vorn. Auf den ersten Blick scheint es sich um das legendäre Henne-Ei-Problem zu handeln, bei dem es um die Frage geht, ob zuerst die Henne oder das Ei da war. Anders ausgedrückt: Verstärken die Social Signals die Popularität einer Seite und verbessern damit das Ranking oder führt ein gutes Ranking nicht automatisch zu mehr Likes und Shares. Dies ist aber eher eine oberflächliche Betrachtung. Wenn wir in die Tiefe gehen, stellt sich die Frage, ob eine nicht oder schlecht optimierte Website heute überhaupt noch eine Chance hat auf die vorderen Plätze der Suchergebnislisten zu gelangen. Aufgrund unserer Erfahrung können wir dies definitiv verneinen. Eine Website mit schlechtem Content, nicht themenrelevanten Keywords und Backlinks hat nicht den Hauch einer Chance dauerhaft eine Top-Position zu erzielen. Logos von Facebook & Co. können diese Defizite mit Sicherheit nicht wettmachen. Seien wir ehrlich: Der Manipulation würden Tür und Tor geöffnet, wenn es möglich wäre, eine Website auf solche Weise in den Suchmaschinen nach oben zu pushen. Die Suchmaschinen würden sich damit quasi selbst ad absurdum führen und alle Qualitätskriterien zunichtemachen, die sie in den letzten Jahren entwickelt haben. Es käme einem Rückfall in die Zeit gleich, als Keywordspam und Klickhäufigkeit noch gute Positionen in den Suchergebnissen bewirkten. Unsere Erfahrungen decken sich mit der vielfach geäußerten Auffassung, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen dem Ranking und den Social Signals besteht. Das legt den Schluss nahe, dass hier eine Korrelation vorliegen muss.

Viele Gründe sprechen für die Korrelation zwischen Ranking und Social Signals

Suchmaschinenoptimierer brauchen also keine Angst zu haben, dass Sie aufgrund der verstärkten Relevanz der Social-Faktoren demnächst weniger zu tun bekommen. Die Suchmaschinenoptimierung wird sich auch in Zukunft nicht durch die Social Media ersetzen lassen, sondern allenfalls eine Erweiterung erfahren, welche die sozialen Aktivitäten von Seitenbesuchern in ihrer Häufigkeit und Stärke mitberücksichtigt. Gute Rankings werden sich auch zukünftig nur mit gut optimierten Websites – dem Schlüssel für die Popularität einer Seite – erzielen lassen. Insofern sehen wir die aktuelle Aufregung um die neuen sozialen Rankingfaktoren in der SEO-Welt eher gelassen. Wir sind vielmehr der Ansicht, dass das eine ohne das andere nicht zu haben ist, also Seiten an sich schon gut platziert sein müssen, damit sie überhaupt ernst zu nehmende Social-Aktivitäten initiieren können. Damit meinen wir die Bereitschaft von Besuchern eine Seite gern und häufig zu teilen und mit vielen Likes zu versehen. Auf der anderen Seite verliert auch keine Website ihre eventuell gute Positionierung bei Google, wenn ein Shitstorm in den Social Media das betreibende Unternehmen treffen sollte. Vor diesem Hintergrund spricht eigentlich alles dafür, dass es eine logische Korrelation zwischen der Ranking-Position und Social Signals gibt. Ein gutes Ranking bildet die Basis für Aktivitäten in den sozialen Medien, die wiederum die gute Rankingposition bestätigen.

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